Störungen des Lauterwerbs

Störungen des Lauterwerbs

Höchstwahrscheinlich zählt für Kinder die “Lauterwerbsstörung” zu den häufigsten Sprechstörungen. Die Störung liegt hier im Bereich der Wahrnehmung für die eigene Sprache und im Bereich der Sprachentwicklung.

Am Anfang ist dieses ja auch noch extrem süß, wenn da nicht die Zeit im Nacken säße und die Frage „Ist das noch normal?“ Spätestens der Arzt wird nach der U-Untersuchung eine erste Einschätzung vornehmen, ob der Prozess schon überwunden sein müsste.

Ich werde mich glaube ich auch ewig an den kleinen Jungen erinnern, der beim gemeinsamen Singen „alle Dödel din don da“ voller Inbrunst schmetterte. Auch, wenn man ihn in dem Moment ja fast gerne küssen möchte, ist es natürlich sprachlich nicht so ganz korrekt… Die Logopädin in mir analysierte erst einmal: spontan kein [f] möglich, kein [g], kein [s], kein [sch]. Womit anfangen? Natürlich gibt es da eine gewisse sinnhafte Vorgehensweise, zum Beispiel anhand der normalen frühkindlichen Lautentwicklung, aber darauf will ich an dieser Stelle gar nicht hinaus.

Es war so, dass er gelernt hatte: „Aha, wenn ich meine Zunge da vorn an den Zähnen spüre, kommen Wörter und Laute heraus.“ Dass man auch die Lippen und die Luft (beim [f]) oder auch mal die hintere Zunge (beim [g] zum Beispiel) benutzen darf, wurde ihm erst nach und nach klar. Nach einiger Übung hat es bei ihm auch bald „Klick“ gemacht und er konnte von heute auf morgen fast verständlich für jedermann sprechen. Es ist also so, dass manchen Kindern gar nicht so recht klar ist, was sie da eigentlich genau mit ihrem Mund machen. Jedes Kind will sich in der Regel irgendwann verständlich machen, also macht es einfach mal. Auffällig wird es nur, wenn das Kind über einen längeren Zeitraum den Schritt nicht schafft die Zungen- und Lippenbewegungen für die unterschiedlichen Laute zu differenzieren und somit für Außenstehende unverständlich wird. Wie gesagt, habe ich schon häufig erlebt, dass da ein kleiner „Anstupser“ genügt, um zumindest diese erste Hürde zu überwinden. Damit ist den Eltern und dem Kind auf jeden Fall schon einmal sehr geholfen.

Häufig bleiben dann noch „Reste“ zurück, die ebenfalls behandelt werden müssen, da hier wahrscheinlich auch am allgemeinen Sprachgefühl und auch an der Verarbeitung von Lauten gearbeitet werden muss. Dafür eignen sich Reime, Lieder und ein spielerischer Fokus auf die Wahrnehmung des Hörens. Weiß dein Kind bei geschlossenen Augen, ob Du mit einem Ball prellst oder mit dem Fuß stapfst?

Diese von mir als „Reste“ bezeichneten Symptome, werden offiziell in der Logopädie als phonologische Störungen bezeichnet. So kann es sein, dass Dein Kind statt „Brille“ immer „Bille“ sagt, aber in anderen Wörtern das [R] schon sprechen kann. Was heißt das nun? Wie oben schon beschrieben, ist auch dieses ein Zeichen für ein Problem in der Verarbeitung von Lauten.

Häufig ist dieses auch ein Teil von „umschriebenen Sprachentwicklungsstörungen“, welche im nächsten Artikel beschrieben werden. Eine Hörstörung im frühen Kindesalter kann die Wahrnehmung der Sprachlaute beeinträchtigen. Dein Kind hört z.B. die Unterscheidung zwischen stimmhaften („b“ oder „g“) und stimmlosen („p“ und „k“) Lauten nicht. Für Dein Kind könnte es sich daher gleich anhören und dementsprechend wird es die Laute auch gleich aussprechen. Als mögliche Ursache ist aber auch eine „auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung“ möglich.